Konforme Abbildungen und Nichteuklidische Geometrie
Allgemeine Beschreibung
In diesem Kurs soll mathematisch interessierten Schülerinnen
und Schülern die Möglichkeit gegeben werden, ein tiefliegendes,
aber dennoch (oder gerade deswegen) schönes und anschauliches Teilgebiet
der Mathematik sowie dessen Methoden kennenzulernen.
Da die Begriffe des Kurstitels in der Regel in der Schulmathematik nicht
vorkommen, zunächst einige Erläuterungen. Konforme
Abbildungen sind Abbildungen eines Teilgebiets der komplexen
Ebene auf ein anderes Teilgebiet derselben, die in gewissem Sinne winkelerhaltend
sind; winkelerhaltend bedeutet in diesem Zusammenhang, daß der Winkel
zweier sich schneidender Kurven im Ausgangsgebiet gleich dem Winkel der
Bildkurven ist.
In dem Kursabschnitt über konforme Abbildungen
sollen zumindest Teilantworten zu den folgenden beiden essentiellen Fragen
gegeben werden:
-
Welche Gebiete können überhaupt konform
aufeinander abgebildet werden (z.B.: Halbebene - Kreis, Polygon - Kreis,
Mandelbrotmenge - Kreis, etc.)?
-
Kann man diese konformen Abbildungen evtl. bestimmen?
Unter nichteuklidischer Geometrien versteht
man, grob gesprochen, die Geometrien, die sich ergeben, falls man das sogenannte
Parallelenaxiom
fallen läßt. Das Parallelenaxiom besagt, daß es zu einer
gegebenen Gerade und einem beliebigen Punkt außerhalb der Geraden
genau eine Gerade gibt, die diesen Punkt enthält und zur gegebenen
Gerade parallel liegt.
Bei vergleichbar kleinen Abständen sind
euklidische und nichteuklidische Geometrien im wesentlichen äquivalent.
Hat man es jedoch mit Abständen im Weltraum oder mit Problemen der
modernen Physik wie der Relativitätstheorie zu tun, beschreiben die
nichteuklidischen Geometrien die beobachteten Phänomene meist genauer
als die euklidischen Geometrien.
In diesem Kursabschnitt wollen wir uns Gedanken über Sinn, Zweck,
Auswirkung und Anwendung dieses zunächst rein theoretischen Konstrukts
machen.
Themenschwerpunkte:
1. Holomorphe, d.h. komplex differenzierbare Funktionen
-
Einführung der komplexen Zahlen und das Rechnen mit Ihnen
-
Topologie der komplexen Zahlenebene und evtl. der Riemannschen Zahlensphäre
-
Funktionen zweier reeller, bzw. einer komplexer Variablen
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Begriff der komplexen Differenzierbarkeit
-
Zusammenhang zwischen komplex differenzierbaren Funktionen und konformen
Abbildungen
-
Kurvenintegrale
2. Spezielle Funktionen
-
Möbiustransformationen
-
komplexe Exponentialfunktion
-
evtl. komplexe Wurzel- und Logarithmusfunktion
3. Existenzsatz konformer Abbildungen bei einfach zusammenhängenden
Gebieten
4. Konforme Abbildungen spezieller Gebiete aufeinander
5. Metrikfunktionen in Teilgebieten der komplexen Ebene
6. Modell einer nichteuklidischen Geometrie im Einheitskreis und evtl.
auf der Sphäre
(Bemerkung: Die Punkte 1. und 2. sind stark gegliedert, da hier relativ
grundlegende Begriffe angesprochen sind, die z.T. auch in Referaten von
den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu bearbeiten sind. Die Ausgestalltung
der restlichen Punkte muß und wird sich an Ort und Stelle aus der
Eigendynamik des Kurses entwickeln. Neben der hinter all diesen Punkten
verborgenen Mathematik soll auch deren Anwendung ein Schwerpunkt des Kurses
sein, z.B. Anwendung der konformen Abbildungen in der Strömungslehre,
der stereographischen Projektion in der Geographie, etc.)
Teilnahmevoraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die mit der
Differential- und möglicherweise auch der Integralrechnung vertraut
sind. Damit ist nicht allein das Beherrschen der Rechentechnik, sondern
vor allem das Verstehen der zugrunde liegenden Ideen gemeint. Wünschenswert,
aber nicht notwendig, sind gute Kenntnisse einiger elementarer Funktionen
wie der trigonometrischen und hyperbolischen Funktionen als auch der Exponential-
und Logarithmusfunktion. Neben diesen Grundlagen sind Abstraktionsvermögen
und großes Engagement in diesem sicherlich nicht ganz einfachen,
aber sehr interessanten Kurs gefordert.
(Bemerkung: Dieser Kurs ist ein mathematischer Kurs, der zwar u.U. einige
einfache Computerdarstellungen herstellen wird und für den von daher
Programmierkenntnisse nicht schaden können; er wird sich aber sonst
hauptsächlich an der Tafel und im Kopf abspielen. Von daher sollten
sich Computermuffel nicht abschrecken lassen.)
Kursleiter
Werner Knoben (Jg. 1971),
studierte Mathematik an der RWTH Aachen. Nach seinem Diplom 1998
arbeitete er ein halbes Jahr am Lehrstuhl II für Mathematik an der
RWTH als wissenschaftlicher Mitarbeiter und erhielt im Anschluss daran
ein Promotionsstipendium der DFG im Rahmen der
Graduiertenförderung. Sein Forschungsschwerpunkt ist die
Differential-Galoistheorie. In seiner Freizeit geht er gerne ins
Theater, Kino oder in die Oper.
Norbert Terglane (Jg. 1963),
studierte Mathematik und Informatik an der RWTH Aachen. Er promovierte
im Bereich der sogenannten komplexen dynamischen Systeme. Neben
vielfältigen Lehrerfahrungen als langjähriger wissenschaftlicher
Mitarbeiter brachten ihm Gastdozenturen an der Universidade de Coimbra
in Portugal sowie Forschungsaufenthalte in verschiedenen Ländern neue
Anregungen. Seit Ende 1997 ist er mit großer Begeisterung im Bereich
Information Management einer großen Unternehmensberatung mit Themen
von strategischen Positionierungen in der Informationstechnologie bis
hin zum Wissensmanagement sowie mit Projekten vom Benchmarking bis hin
zur Fusionsbegleitung tätig. Sein Interessenspektrum reicht von
Philosophie und Physik bis hin zum Bergsteigen und Besuch von
Jazzkonzerten, sofern seine knapp bemessene Freizeit dies zulässt.