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Juliane Budde, Martin Vallon, Helena Weitz, Ansgar Bohmann
Wir möchten im Folgenden einen kurzen Einblick in eine Gruppe von Funktionen geben, mit denen wir uns
beschäftigt haben, den Möbiustransformationen. Möbiustransformationen lassen sich als Funktionen von
in
in der Form
mit
und
darstellen.
Für
ergeben sich konstante Funktionen, d.h. Funktionen, die die gesamte Ebene in einen Punkt abbilden.
Um eine Vorstellung von diesen Funktionen zu gewinnen, betrachten wir drei elementare Möbiustransformationen
Deutet man die Funktion
geometrisch, so handelt es sich um eine Drehstreckung um den Koordinatenursprung.
Zwei Spezialfälle ergeben sich für
bzw. für
. Im ersten handelt es sich um eine
zentrische Streckung und im zweiten um eine Drehung um den Ursprung.
Abb.1: Drehstreckung
Die Möbiustransformation
entspricht einer Verschiebung in der Gaußschen Zahlenebene.
Abb.2: Translation
Die Inversion
kann man geometrisch als Hintereinanderausführung einer Spiegelung am Einheitskreis
und einer Spiegelung an der reellen Achse interpretieren. Da
,
wird jeder Zahl
eine Zahl
zugeordnet, deren Betrag der Kehrwert vom Betrag von
ist,
und deren Winkel zur positiven reellen Achse das Negative des Winkels von
ist.
Abb.3: Inversion
Man kann jede Möbiustransformation als Verkettung dieser drei speziellen Möbiustransformationen darstellen.
Setzt man
und
, dann ist
Satz 1
Jede Möbiustransformation ist konform auf

.
Beweis:
Wie bereits gezeigt, lässt sich jede Möbiustransformation als Verkettung der drei speziellen
Möbiustransformationen Translation, Drehstreckung und Inversion darstellen. Zunächst zeigen wir, dass diese
drei Grundabbildungen konform sind. Für die Translation
ergibt sich:
Also ist die Translation konform auf ganz
. Analog kann man zeigen, dass die Drehstreckung
sowie die Inversion konforme Abbildungen sind. Damit ist auch jede Verkettung dieser
drei Grundabbildungen konform, was direkt aus der Kettenregel folgt.
Doppelverhältnis
Das Doppelverhältnis ist eine spezielle Möbiustransformation. Sie bildet drei beliebige, paarweise
verschiedene Punkte
und
auf die Punkte
und
ab.
Wenn die Funktion
auf
abbilden soll, muss im Zähler der Funktion der Term
stehen.
Um
auf
abzubilden, muss beim Einsetzen von
der Zähler des Bruchs gleich dem Nenner
des Bruchs sein. Der Term
muss im Nenner des Bruchs stehen, um
auf
abzubilden.
Damit ergibt sich das Doppelverhältnis als
Man wählt sich ein Doppelverhältnis
so, dass es die Punkte
und
auf die Punkte
und
abbildet und ein zweites
so, dass
und
ebenfalls auf die Punkte
und
abgebildet werden, d.h.
wobei
paarweise verschieden und
paarweise verschieden
vorrausgesetzt seien. Definiert man sich die Abbildung
, so erhält man eine Abbildung,
die
auf
und
auf
sowie
auf
abbildet.
Um Möbiustransformationen zu veranschaulichen, machen wir ein Beispiel. Wir suchen eine
Möbiustransformation, die das Innere des Einheitskreises auf die rechte Halbebene abbildet.
Abb.4: Beispiel einer Möbiustransformation
Dazu bestimmt man eine Möbiustransformation, die
auf
und
auf
sowie
auf
abbildet.
Dies wird durch die Möbiustransformation
mit
und
realisiert.
Aus der Tatsache, dass Möbiustransformationen Kreise bzw. Geraden wieder auf Kreise oder
Geraden abbilden, folgt, dass der Rand des Einheitskreises auf die Imaginäre Achse abgebildet wird.
Wohin wird nun das Innere des Kreises abgebildet?
Wir gehen also auf dem Einheitskreis im Uhrzeigersinn herum (von
nach
nach
) und auf der
imaginären Achse von ,,unten`` nach ,,oben`` (
). Wir stellen uns vor, wir laufen um den Kreis herum.
Immer auf unserer rechten Seite befindet sich das Innere. Da es sich bei Möbiustransformationen um konforme
Abbildungen handelt, wird das Innere auch auf die rechte Seite der imaginären Achse (in ,,Laufrichtung``) abgebildet.
Mit dieser Transformation bilden wir eine endliche Fläche (Kreis) auf eine unendliche, die Halbebene, ab
und zwar konform. Ziemlich überraschend, oder?
August Ferdinand Möbius
Geboren am 17. Nov. 1790 in Schulpforta, Sachsen, gestorben am 26. Sept. 1868 in Leipzig
Der Mathematiker und theoretische Astronom Möbius ist hauptsächlich durch seine Arbeit in der analytischen
Geometrie und der Topologie bekannt geworden. Auf letzterem Gebiet gilt er vor allem als einer der Entdecker
des Möbius-Streifens.
1815 wurde Möbius Professor für Astronomie an der Universität Leipzig. Später wurde er zum Leiter des
Observatoriums der Universität ernannt, das in den Jahren 1818-21 unter seiner Aufsicht errichtet wurde.
Er veröffentlichte Abhandlungen über die Planeten, ,,die Mechanik des Himmels`` und die
,,Hauptsätze des Astronomie``. Seine Werke in der Mathematik betreffen vor allem die Geometrie.
Er führte Koordinatensysteme in der analytischen Geometrie ein und beschäftigte sich mit geometrischen
Transformationen und Projektionen und vor allem den nach ihm benannten Möbiustransformationen.
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